Der Name "Bernbeck"

(1. Teil nach: "Stammbaum der Familie Bernbeck",
Ein Familienbuch mit genealogisch-biographischer Übersicht der Familie Bernbeck,
bearbeitet und herausgegeben von Franz Wahl,
Großherzoglicher Oberamtsrichter zu Schlitz,
erschienen im Verlag von Karl Wahl in Leipzig, 1896, Seiten 5-8

2. Teil nach: "Stammbaum der Familie Bernbeck",
Ein Familienbuch mit genealogisch-biographischer Übersicht der Familie Bernbeck,
im Auftrage der Familie bearbeitet und herausgegeben von Franz Wahl, Geheimer Justizrat in Schlitz,
erschienen im Selbstverlag der Familie Bernbeck, 1921, Seiten 3-4

3. Teil nach: Korrespondenzblatt der Familie Bernbeck)


Kenntnisstand 1896

Die Bedeutung des Names "Bernbeck" ist dunkel. Versuche zur Deutung des Namens sind gemacht worden von Johann Daniel Bernbeck (gestorben als Pfarrer zu Heuchelheim 1825), von Karl Bernbeck (gest. als Alterthumsforscher zu Gießen 1864) und von Dr. Karl Leimbach (damals Provinzial-Schulrath in Breslau). Danach kommen in Betracht folgende 6 Deutungen:

  1. "Bärenbecken", aus Bär und Becken; nach dieser an sich sehr einfachen Deutung ließ Joh. Daniel Bernbeck (Wirberg bzw. später Heuchelheim) sich eine Petschaft anfertigen, auf welchem ein Bär mit einer Vordertatze ein Becken hält. (Vergleiche die Wappen von Berlin, Bern, Bernburg.)
  2. "Bärenbec" = Bärenschnauze; bec heißt nämlich auch Schnabel, d.i. das scharfe, spitze, pickende Maul der Vögel.
  3. "Biberbach" d.i. der Bach, an welchem sich der Biber aufhält, niederdeutsch Beverbeck. (Daher auch Ortsname, früher Beuerbecke, Beverbecke, Bernbecke, Bieberbecke); bach = beke im Hessischen, = beck im Niederdeutschen.
  4. "Bärenbach", aus Bär = bêro (ursus) und Bach.
  5. "Berenbach", aus Ber und Bach = Eberbach; ber = althochdeutsch bêr = angelsächsisch bar = englisch boar, d.i. porcus, Zuchteber.
  6. "Ber(n)becken", aus Ber = Eber (wie in Berno und Bernhard)  und beken (englisch back und bacon) = Schinken, Keule, so daß Bernbeck soviel wäre wie Eberschinken, Eberkeule.

Die Deutungen und 2 und 5 rühren von Karl Bernbeck, die unter 1 von dessen Vater Joh. Daniel Bernbeck und die unter 6 von Karl Leimbach her. Dieser geht mit den Erklärungen zu 1, 2 und 5 scharf ins Gericht. Zu 1 weist er den Gedanken zurück, dem Bären ein Becken, sei es zur Musik oder zum Waschen, in die Tatze zu geben; zu 2 bemängelt er die Gleichstellung von Schnabel (bec) mit Schnauze; von einem Schnabel des Bären könne man nicht reden. Zu 5 hält er es für undenkbar, daß ein Bach nach einem zahmen Eber (porcus) benannt worden; die Bezeichnung ber komme aber dem wilden Eber (aper) nicht zu. Zu 4 erscheint ihm bedenklich, den Bären mit dem Wasser in Verbindung zu bringen; immerhin hält er diese Deutung für zulässig, zumal auch in Göthe's Reineke Fuchs der Bär ins Wasser gekrochen sei. Eher noch will sich K. Leimbach mit der 3. Deutung K. Bernbecks (Biberbach) befreunden, da der Biber im Wasser lebe und der Ortsname Beverbeck sich mit Biberbach identisch sei, auch die Schreibung Bernbeke für Beverbeck vorkomme. Am meisten redet K. Leimbach, welcher übrigens K. Bernbecks sehr gesunde etymologische Ansichten rühmend anerkennt, der von ihm gegebenen 6. Lösung das Wort, wonach Bernbeck = Ber(n)beken so viel bedeutet als Eberschinken, Eberkeule. Wer sich im Uebrigen für die Studien dieser beiden Gelehrten in der Familie über die Herleitung des Namens Bernbeck besonders interessirt, dem seien die bezüglichen Aufsätze im Corr. Blatt 1876 S. 79 und S. 83 dringend empfohlen.

Eine unanfechtbare Lösung dieser Frage wird bei der mangelnden geschichtlichen Überlieferung bezüglich der Herkunft der Vorfahren nicht möglich sein. Sollte es richtig sein, daß, wie Karl Bernbeck, überliefert, die Familie Bernbeck aus den Niederlanden stammt, und daß einer der Urahnen bei seinen jährlichen Wanderungen nach Holland sich eines Eberspeeres zu seiner Sicherheit und Stütze bedient habe, dann wäre dies ein Grund mehr für die Ableitung des Namens Bernbeck von Ber = Eber und beke oder beck = Bach d.h. Eberbach oder von Ber (Eber) und beken (engl. back, Schinken, Keule) = Eberschinken, Eberkeule. Hierbei darf aber folgende erhebliche Thatsache nicht außer acht gelassen werden. Auf die Mittheilung, daß im Archiv zu Höchst a.d. Nidder ein Bernbeck'sches Wappen bezw. die Zeichnung eines solchen aufbewahrt werde, wandte sich der Verfasser dieses Werkes an das Königliche Heroldsamt in Berlin und bat unter Mittheilung einer Handzeichnung um nähere Auskunft. Am 10. März 1896 langte von dieser Behörde die Nachricht ein, daß "das vorgelegte Wappen, abgebildet in Siebmachers Wappenbuch III 127 No. 8, V 251 No. 2 und V 275 No. 1 einem, wie es scheint, ursprünglich bürgerlichen Geschlecht namens Bernbeck in den Städten Rothenburg o.d.Tauber und Windsheim, angehöre, woselbst weitere Nachforschungen anzustellen sein dürften." Davon, daß dieses Geschlecht, wie man angenommen, am Niederrhein angesessen gewesen sei, ist dem Kgl. Heroldamt nichts bekannt. Auf bezügliche Anfrage ist aus Rothenburg eine Antwort überhaupt nicht, dagegen aus Windsheim die Mittheilung eingegangen, daß der Name Bernbeck seit 1801 dort nicht mehr vorgekommen sei. Hieraus, sowie aus der oben erwähnten Notiz in Jöchers Gelehrtenlexikon geht hervor, daß der Name Bernbeck bereits zu Anfang des 16. und bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts in Mittelfranken vertreten gewesen ist, Obwohl ein Zusammenhang dieses Geschlechts mit dem unsrigen nicht nachgewiesen, auch wohl kaum nachweisbar ist, so darf uns doch dessen Wappen schon aus etymologischen Gesichtspunkten nicht ganz gleichgültig sein. Dieses Geschlechtswappen, das am Helm 1, im Schilde 3 aufrechtstehende Bärenköpfe zeigt, läßt als redendes Wappen doch annehmen, daß die Führer derselben ihren Namen Bernbeck von dem Bären hergeleitet haben. Freilich käme hierbei auch das Alter des Wappens in Betracht, über welches nicht Näheres bekannt ist. Wenn Joh. Daniel Bernbeck sich eine Petschaft herstellen und darauf einen Bären, der mit der Vordertatze ein Becken hält, abbilden ließ, so hat dieser Petschaft jedenfalls keinen heraldischen Werth, zumal feststeht, daß dies nur darum geschehen, weil auch die Städte Berlin, Bern, Bernburg usw. Bären in ihrem Wappen führen.

Kenntnisstand 1921:

Der Familienname Bernbeck ist zu einer stehenden Rubrik auch in unserem Familienbuch geworden. Verschiedene Familienglieder haben die Bedeutung des Namens zu ergründen versucht. In der 1. Auflage des Stammbaums sind sechs verschiedene Deutungen erwähnt und besprochen: 1. "Bärenbecken" (aus Bär und Becken), 2. "Bärenbek" = Bärenschnauze; 3. "Biberbach" (aus Biber und Bach), 4. "Bärenbach" (aus Bär und Bach), 5. "Berenbach = Eberbach (aus Ber und Bach) und 6. "Ber(n)becken" = Eberkeule.

Inzwischen hat sich ein Freund der Familie, Herr Prof. Dr. Röschen-Laubach, der Sache angenommen. Er hält eine andere Deutung für einfacher und ungezwungener, indem er davon ausgeht, daß die Hausmarke, das Firmenschild der Ausgangspunkt zur Bildung des Wortes gewesen sei, so daß Bernbeck nichts anderes bedeute als "Bären-Bäcker", d.h. den Bäcker mit dem Bären im Schilde. Zu dem gleichen Ergebnis kommt Vetter Karl Bernbeck (Gießen) in seinem auf dem Familientag 1912 gehaltenen Vortrag über "Die Entstehung des Namens Bernbeck und den gegenwärtigen Stand der Familienforschung". Er weist nach, daß nach der im Rothenburger Archiv aufbewahrten Familienbeschreibung von Erhard, die bereits im I. Band des Stammbaums erwähnt wurde, ein Heinrich "Beck", der um 1350 lebte, seinen Namen erweiterte in "Bernbeck" oder, wie es dort wörtlich heißt: "Beck nunc Bernbeck". Beck ist das oberdeutsche Wort für Bäcker und ist noch jetzt in der dortigen Mundart gebräuchlich. Es wird hier mitgeteilt, daß ein Bernbeck der ehrsamen Zunft der Bäckermeister angehört und zur Unterscheidung von den anderen Bäckern, die sich Beck nannten, einen Bären im Hausschild geführt habe.

Diese Deutung des Namens hätte viel für sich, wenn ein Zusammenhang zwischen unserer Familie und den Bernbecken in Bayern nachgewiesen wäre. Dies ist aber keineswegs der Fall. Karl Bernbecks Feststellungen haben sofort den auf dem Gebiete der Familienforschung äußerst rührigen und erfahrenen Vetter August Nies auf den Plan gerufen, der in dem Artikel: "Beiträge zur Geschichte der Familie Bernbeck" den Beweis dafür antritt, daß die alte Überlieferung, wonach die Bernbecke aus den Niederlanden oder wohl richtiger vom Niederrhein stammen sollen, nicht von der Hand zu weisen ist. Ihm ist es gelungen, festzustellen, daß der älteste nachweisbare Stammvater der Familie "Diderich Bernbeck" Vorsteher im Amt Hattingen, Regierungsbezirk Arnsberg, gewesen und daß er daselbst um das Jahr 1614 geboren ist. Es ergibt sich dies aus dem Inhalt des Gießener Kopulationsprotokolls, wonach Johann Henrich Bernbeck, "Sohn des Dietrich Bernbeck, Vorsteher im Amt Hattingen", am 11. Januar 1688 die Anna Gertraud Loos heiratete. Auch im Kopulationsprotokoll von Hattingen wird ein Peter Bernbeck als "des Vorstehers Diderich Bernbecken" ehelicher Sohn bezeichnet. Es darf hiernach angenommen werden, daß unser Erzvater Diderich Bernbeck weder in Gießen geboren ist noch je dort gewohnt hat, und daß der erste in Gießen wohnhaft gewesene Ahne Johann Henrich Bernbeck aus Hattingen am Niederrhein zugezogen und dort geboren ist. Auch in der über die Aufnahme des Joh. Henrich Bernbeck als Bürger in Gießen aufgenommene Urkunde vom 18. Juni 1688 ist der Ort Hattingen oder Hatting deutlich angegeben. Nach August Nies erscheint auch die Herkunft des Namens Bernbeck nicht mehr zweifelhaft. Nach seinen Forschungen kommt in Hattingen und Umgebung die Endung "beck" an Familiennamen sehr häufig vor, und zwar mit denselben Varianten wie bei Bernbeck geschrieben: - "beck", - "becken", - "in der Beck", - "aus der Beck". Das "beck" bedeutet hier überall soviel wie "Bach" und hat nichts mit dem süddeutschen - beck = becker = Bäcker zu tun. Die Vorsilbe Ber (Beren, Beeren, Behren) glaubt August Nies in Übereinstimmung mit Karl Bernbeck sen., dem "Onkel Neustädter", auf "Biber" zurückführen zu sollen, so daß Bernbeck = Beverbeck auf einen Bach hinweisen wprde, in dem Biber vorkommen. Diese Deutung kann auch nicht erschüttert werden durch die Tatsache, daß das Familienwappen Bären aufweist. Dieses Wappen stammt erst aus dem Ende des 18. Jahrhunderts und ist ohne heraldischen Wert.

Neuer Kenntnisstand:

(muß noch ergänzt werden ...)
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©  20. Januar 2001
Otto-G. Richter
(F9433)